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Messen. Wiegen. Beproben.

Guten Tag Herr Sudhoff, vielen Dank für die Gesprächseinladung. Erzählen Sie doch zu Beginn etwas zu Ihrem Unternehmen in Brilon.

Rembe ist seit fast 50 Jahren eine Industriegruppe im Familienbesitz in Brilon. Zur Gruppe gehören neben dem Unternehmen REMBE Kersting GmbH mit 15 Mitarbeitern, weitere Unternehmen. Insgesamt sind etwa 250 MitarbeiterInnen für die Gruppe tätig, die auch über zahlreiche Vertriebsniederlassungen weltweit verfügt, um immer möglichst nah am Kunden agieren zu können. Die REMBE Kersting ist ein spezialisierter Anbieter für Produkte für die Schüttgutindustrie. Das Portfolio umfasst die Bereiche Durchflussmessung in Rohrleitungen und Förderbändern, statische Verwiegung von Behältern und Silos sowie die Inlineprobenahme aus geschlossenen Prozessen.

    Geschäftsführer Herr Bernd Sudhoff

    Herr Sudhoff, erzählen Sie den Lesern etwas über Ihren Werdegang

    Ich stamme aus dem Sauerland, habe Maschinenbau/Anlagentechnik an der FH Südwestfalen studiert und dann einige Jahre in der Galvano- und Reinigungsindustrie gearbeitet. Weitere Tätigkeiten führten mich in die kunststoffverarbeitende Industrie. Ich konnte mir detaillierte Kenntnisse in der Beprobung, Hygiene und Reinigbarkeit von Anlagen der Lebens- und Futtermittelindustrie aneignen.

    Seit 2018 bin ich Geschäftsführer der REMBE Kersting GmbH. Das Unternehmen erzielt etwa 70% seines Umsatzes in Europa, beliefert aber u.a. auch die nordamerikanische und lateinamerikanische Futtermittel- und Lebensmittelindustrie.

    Was treibt Sie persönlich an?

    Ich bin Maschinenbauingenieur. Mich interessieren technische Vorgänge. Wenn ich z.B. in einer Babypuderfabrik feststelle, dass es im Grunde keine automatisierte Probenahmeeinrichtung gibt, die eine regelmäßige und repräsentative Stichprobe ermöglicht, dann denke ich mit meinem Team aus Ingenieuren und Spezialisten aus der Fertigung über eine individuelle Lösung für das Unternehmen nach. Solche Aufgabenstellungen sind vielfältig und es gibt sie in den unterschiedlichsten Branchen, wie der Chemieindustrie, Pharma oder Lebensmittelindustrie. Wir sind in der Lage, aufgrund unserer sehr umfangreichen Erfahrungen aus einer Vielzahl von Anwendungen die jeweils optimale Lösung anzufertigen.

    Was sind die Charakteristika der Produkte von REMBE® Kersting

    Unser Anspruch ist es, Anwender zu unterstützen, damit sie ihre Prozesse, Maschinen und Apparate wirtschaftlich und vollautomatisch betreiben können. Das Portfolio der REMBE Kersting GmbH umfasst eine Vielzahl von Systemen für das Handling, Messen und Analysieren von Schüttgütern. Unsere Kunden kommen aus unterschiedlichsten Branchen, vom kleinen Labor bis hin zu großen Chemiebetrieben.

    Besonders in produzierenden Industrien ist es wichtig stets zu wissen, mit welcher Leistung die Anlage fährt. Dies sorgt für eine zuverlässige Prozessführung und die Möglichkeit die Abläufe zu optimieren. Dazu leistet die REMBE Kersting einen Beitrag, indem wir mit unseren Durchflussmessgeräten stets Aussagen über den aktuellen Durchfluss treffen können. Damit können Prozesse stabil geführt und Probleme frühzeitig entdeckt werden. Es ist unerheblich, ob sich das Material auf einem Förderband, gravimetrisch fallend im Fallrohr oder in einer Druckförderleitung befindet. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass, durch die speziellen Bauformen der Systeme, eine schonende und unterbrechungsfreie Inlinemessung ermöglicht wird.

    C-LEVER®

    Um einen Überblick über den Bestand der Rohstoffe zu haben nutzen unsere Kunden unsere Lösungen zur Verwiegung von Behältern und Silos. Damit haben Sie stets einen Überblick über den aktuellen Füllstand in den Lagern. Hierfür können standardmäßig Wägezellen genutzt werden, die auf der eine Seite eine hohe Genauigkeit haben, auf der anderen Seite aber besonders beim Nachrüsten sehr aufwändig zu installieren sind. Unsere Kunden nutzen daher seit Jahren mit den MicroCells eine einfache, aber clevere Lösung zur Silofüllstandsermittlung. Dabei handelt es sich um kleine Dehnmessstreifen, die an der Seite der Stützkonstruktion von Silos angebracht werden und über die Messung der Kräfte im Metall Aussagen über den Füllstand im Silo treffen können. Dies gilt für Stützen- und Zargensilos gleichermaßen.

    Unsere Inlineprobenehmer

    Unser größter Bereich umfasst allerdings unsere Inlineprobenehmer. Diese setzen wir in vielfältigen Bereichen, aber vor allem in der Lebensmittelindustrie ein. Eine unzureichende Qualitätssicherung zeigt sich zum Beispiel an den regelmäßig auftretenden Lebensmittelrückrufen. Die Gründe können hierbei von Metall- oder Kunststoffteilen im Endprodukt bis hin zu Salmonellenbefall reichen. Dabei liegt die Schwierigkeit in der Vielzahl der verschiedenen Materialien sowie der großen Anzahl der Installationsmöglichkeiten der Probenehmer.

    Unsere Systeme reichen von Tassenprobenehmer zum Auffangen einer Probe in einem Fallrohr, Schneckenprobenehmer zum Fördern von Material aus dem laufenden Prozess, eine Probenahme aus Druckförderleitungen, Probenahmestutzen und -sonden, bis hin zu Kolbenprobenehmer z.B. für Absackanlagen. Die Einsatzorte sind zum Beispiel der Wareneingang zur Überprüfung der Qualität der angelieferten Rohstoffe, während der Produktion, für eine sichere Prozessführung sowie am Warenausgang, um Rückstellmuster zu ziehen mit denen ungerechtfertigte Ansprüche von Kunden bezüglich der Qualität abgewehrt werden können.

    Probenehmer

    LW Probenehmer und automatisches Probenhandling

    Der TruckSampler ermöglicht eine Materialentnahme direkt aus dem offenen LKW. Mit dem SAMButler haben wir eine Lösung zum automatischen Probenhandling, d.h. Analyse, Verpackung und Transport der entnommenen Materialien. Damit liefern wir dem Kunden einen Mehrwert im Umgang mit seinen Proben, da mit automatischen Anlagen viel Zeit gespart werden kann, die der Mitarbeiter für andere wichtige Tätigkeiten nutzen kann.

    Herr Sudhoff, warum lassen Sie Ihre Produkte nicht in Niedriglohnländern fertigen?

    Das hat vorrangig mit der Qualität zu tun. Wir könnten theoretisch im Ausland zukaufen und sicher auch zu günstigeren Bedingungen. Aber am Ende steht die Sicherheit und Qualität in Frage. Wir müssen hinter der Qualität „Made in Germany“ stehen. Wir sind u.a. nach den Regelungen für Druckgeräte und TÜV-zertifiziert und in sehr vielen hochsensiblen Produktfeldern unterwegs.

    Insofern gibt es keinen Spielraum für uns. Wir setzen auf hochwertige Materialien, zum Teil bei Sonderanfertigungen auf Hastelloy. (Hastelloy zählt zur Gruppe der hochkorrosionsbeständigen Nickel- Chrom-Molybdän-Wolfram-Legierungen. Der Werkstoff zeichnet sich durch hohe Beständigkeit gegen Spaltkorrosion, Lochkorrosion und Spannungsrisskorrosion in oxidierenden und reduzierenden Medien aus. Anm. d. Red.).

    Diese hochwertige Fertigungsqualität bietet den Vorteil, dass wir die Produkte, die sich bewährt haben, weltweit exportieren. Im Übrigen sind wir dadurch sehr flexibel bei der individuellen Maßanfertigung, was zum Beispiel die Eindringtiefe von Probenehmern betrifft: das kann von 200mm bis 2m reichen, je nach Anforderungen des Kunden bzw. der entsprechenden Anlage vor Ort.

    Wie sieht es bei den Probenehmern mit Zertifizierungen wie z.B. FDA, ATEX oder EHEDG aus?

    Wir können die Probenehmer nicht nur nach FDA, sondern auch nach TA-Luft fertigen. Außerdem berücksichtigen wir jeweils die geltenden nationalen und internationalen Richtlinien und Normen, die für den jeweiligen Einsatzort gelten. Ein wichtiger Aspekt der regelmäßig für unsere Produkte angefragt wird, ist die Einsatzmöglichkeit in ATEX-Zonen.

    Die ATEX-Direktive regelt die Aspekte des Explosionsschutzes in der Europäischen Union und umfasst die beiden Richtlinien 1999/92/EG Betriebsrichtlinie und 2014/34/EU Produktrichtlinie Anm. d. Red.). Auch eine Fertigung nach den Richtlinien von EHEDG (European Hygienic Engineering and Design Group). Das Ziel von EHEDG ist es, bei der Umsetzung der geltenden Richtlinien zu helfen sowie Handlungskonzepte zu entwickeln

    Was bedeutet Digitalisierung konkret für Sie?

    Hier geht es um die Rückführung aller gewonnenen Analysedaten zurück in die Prozesssteuerung, um ihn anpassen, korrigieren und optimieren zu können. Das Ziel ist es in einem zeitlich möglichst kurzen Abstand zwischen der Messdatenerhebung und der Auswertung zu haben. Damit sind auch Zwischenschritte zu erkennen. Das gibt mir die Möglichkeit, bereits im laufenden Prozess und nicht erst am Ende des Prozesses einzugreifen. Dadurch reduzieren wir immens das Risiko von größeren Folgekosten, um Schäden, die entstehen können, wenn Fehler in der Prozessführung zu spät entdeckt werden.

    Zusätzlich können unsere Systeme zur automatisierten Verpackung der Proben genutzt werden. Dabei geht es darum, Labormitarbeiter zu unterstützen, indem ihm sich wiederholende Arbeitsschritte abgenommen werden. Die automatische Probenahme von REMBE Kersting bietet Sicherheit, wie sie manuell nur schwer zu erreichen ist und entlastet die MitarbeiterInnen.

    Wie lautet Ihre Strategie betreffend die automatische Probenahme in den nächsten fünf Jahren?

    Der Plan lautet, die automatisierte Probenahme in möglichst vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie zu etablieren, um die Qualität der Produkte so gut wie möglich abzusichern und zum Beispiel Rückrufe zu vermeiden. Dazu wollen wir durch die engmaschige Kontrolle der Produktströme beitragen. Dabei sind wir immer am Puls der Zeit und optimieren unsere Probenehmer in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden immer weiter. Dies geschieht auf Basis von Fragen, wie „Was ist noch schneller erreichbar?“ oder „Wie können wir die leichte Reinigbarkeit noch weiter optimieren?“.

    Wir sehen uns Ständig mit neuen Anforderungen und Herausforderungen konfrontiert und finden gemeinsam mit den Kunden Lösungen.

    Vielen Dank Herr Sudhoff für den interessanten Einblick in Ihr Unternehmen und die Produkte.